Rückführung - Der Verräter von Sokrates vom 01.09.25
Bevor wir morgen ein neues Kapitel mit Augustus öffnen hatte ich an Elke noch den persönlichen Wunsch gerichtet in ein Vorleben zu gehen, was mich, meine Seele mit Platon verbindet.
Schon zu Beginn der Reise zeigte sich eine sehr emotionale Szene: Platon am Strand, wie er jemanden küsst. Ich konnte zunächst nicht unterscheiden, ob ich diese Szene von außen beobachtete oder ob ich selbst Teil davon war. Es waren starke Gefühle spürbar – Liebe, Sehnsucht, aber auch Unsicherheit und Eifersucht. Platon wirkte auf mich als Mensch von außergewöhnlicher Schönheit, Charisma und Lebenskraft. Doch ich spürte deutlich: Er war nicht für feste Bindungen gemacht. Seine Liebe war frei, ungezwungen, nur dem eigenen Empfinden verpflichtet. Beziehungen im heutigen Sinne gab es für ihn nicht.
Diese Freiheit, die für ihn selbstverständlich war, empfand ich in der Rückführung jedoch als zutiefst verletzend. Ich, ein Mann, spürte eine starke Verbundenheit zu ihm, während er gleichzeitig auch die Nähe zu einer Frau suchte. In mir entstanden Eifersucht und das Gefühl, zurückgewiesen zu werden – ein innerer Konflikt, den ich nicht lösen konnte.
Dann wandelte sich das Bild. Ich sah mich selbst in einfacher griechischer Kleidung, barfuß und mit schmutzigen Füßen, auf einem Marsch entlang einer steilen Küstenlandschaft. Ich war gehetzt, voller Angst und Schuld. In dieser Szene spürte ich klar: Ich war mitverantwortlich für die Verhaftung von Sokrates. Ich hatte ihn denunziert.
Der Grund für diesen Verrat lag tief in meiner inneren Zerrissenheit. Sokrates hatte Platons Lebensweise – seine freie Liebe, sein Unvermögen, sich auf einen festen Partner einzulassen, und auch die Beziehung zu dieser Frau – gebilligt. Für mich jedoch fühlte sich all das beschmutzend und unerträglich an. Es berührte eine sehr tiefe Wunde in mir, deren Ursprung möglicherweise in Versklavung und vielleicht sogar in Zwangsprostitution lag – Erfahrungen, die historisch überliefert sind und die mir in der Rückführung als emotionale Erinnerung begegneten.
Sokrates’ Tod durch Vergiftung war schrecklich, und obwohl ich ihn missbilligte, habe ich ihn in Kauf genommen. Ich konnte ihn nicht verhindern, vielleicht wollte ich es auch nicht. Dieses Ereignis hat sich wie ein unauslöschliches Feuer in meine Seele eingebrannt und begleitet mich bis in mein heutiges Leben. Die überlieferten Texte deuten darauf hin, dass ich bei der Hinrichtung selbst anwesend war – eine Erkenntnis, die mir in der Rückführung schmerzhaft bewusst wurde.
Nach der Hinrichtung floh ich. Meine Flucht glich einer endlosen Wanderung entlang der Küste, bis ich stürzte und mich schwer verletzte. Mit einem gebrochenen Bein konnte ich nicht weiter, war der Natur ausgeliefert und wurde schließlich von wilden Tieren getötet. Ein langsamer, qualvoller Tod, der die Verzweiflung meines damaligen Lebens widerspiegelte.
Auf Seelenebene war diese Schuld noch spürbar – schwer und erdrückend. Anders als in Rückführungen, in denen ich Opfer war und in der geistigen Welt Trost und Heilung finden konnte, war hier etwas völlig anderes zu fühlen: die Last des Täterseins. Diese Erfahrung war mir bisher fremd. Ich konnte Sokrates kaum in die Augen sehen, als ich ihm nach meinem Tod begegnete. Doch er sprach Worte, die in mir nachklingen:
„Es wäre so oder so geschehen. Wenn du es nicht getan hättest, hätte es jemand anderes übernommen.“
Diese Worte sind ein Trost, denn sie zeigen, dass auch ein schweres Täterleben Teil eines größeren Plans sein kann.
In meinen Nachforschungen stieß ich auf Phaiston von Elis. Historisch wird er als jemand beschrieben, der einst Sklave war und von Sokrates freigekauft wurde. Diese Verbindung berührt mich tief, denn sie könnte genau das widerspiegeln, was ich in der Rückführung erlebt habe: der innere Kampf zwischen Liebe und Freiheit, zwischen Abhängigkeit und Selbstbestimmung. Vielleicht erklärt sie auch das tiefe Gefühl der Beschmutzung, das mich damals so sehr quälte.
Heute verstehe ich: Jede Seelenreise deckt neue Aspekte unseres eigenen Selbst auf. Sie zeigt uns nicht nur vergangene Leben, sondern integriert diese Erfahrungen in unser heutiges Sein. Die Reise zu Platon hat mir nicht nur ein Stück antiker Geschichte offenbart, sondern auch eine sehr persönliche Wahrheit über mich selbst – und den ewigen Kreislauf von Schuld, Liebe und Vergebung.
Wer sich die Sitzung nachträglich anhören möchte gelangt über den folgenden Link zur Audiodatei!
