Das Gilgamesch Epos

Hier ist die Übersetzung der zentralen Abschnitte der Sintflut-Erzählung (Tafel XI), basierend auf der in den Quellen enthaltenen Version von Andrew George für die Universität Oxford 2003 (der Originaltext umfasst ca. 1200 Seiten): 

Hier geht´s zum Buch Andrew George The Babylonian Gilgamesh Epic 2003

Die Warnung durch den Gott Ea 

Uta-napishti berichtet Gilgamesch, wie der Gott Ea ihn heimlich warnte, indem er zu einer Rohrwand sprach: 

„O Rohrwand! Wand aus Ziegeln! Höre dies, o Zaun! Achte darauf, o Mauer! Mann von Schuruppak, Sohn des Ubar-Tutu: Reiß das Haus nieder und baue ein Schiff. Verlass den Reichtum und suche das Überleben. Verschmähe den Besitz, rette das LebenBring die Samen aller Lebewesen an Bord des Schiffes“. 

Der Bau der Arche und der Beginn des Sturms 

Uta-napishti baute das Schiff, belud es mit Gold, Silber und seiner Familie sowie Handwerkern und Tieren. Dann kam der verhängnisvolle Moment: 

„Am Morgen schickte er [der Sonnengott] einen Regen von Brotkuchen, und am Abend einen Strom von Weizen. … Ich betrachtete das Wetter: Das Wetter war voller böser Omen. Ich ging in das Schiff und versiegelte meine Luke“. 

Die Zerstörung durch die Götter 

Die Quellen beschreiben den Ausbruch des Kataklysmus mit schreckgewaltigen Bildern: 

„Mit dem ersten Morgengrauen stieg am Horizont eine dunkle, schwarze Wolke auf, in der Adad, der Gott des Sturms, grollte. … Die Götter Anunnaki trugen Fackeln aus Feuer und verbrannten das Land mit hellen Blitzen. Die Stille des Sturmgottes legte sich über den Himmel, und alles, was zuvor hell war, verwandelte sich in Finsternis“. 

Das Entsetzen der Götter und das Ende der Flut 

Selbst die Götter waren von der Gewalt der Flut erschüttert: 

„Sogar die Götter erschraken vor der Sintflut, sie flohen und stiegen zum Himmel von Anu hinauf; wie Hunde kauerten sie sich im Freien nieder. … Die Götter Anunnaki weinten mit ihr [der Göttin Ischtar], mit feuchtem Gesicht weinten sie“. 

Nach sechs Tagen und sieben nachts beruhigte sich das Meer: 

„Ich betrachtete das Wetter, es war still und ruhig, aber alle Menschen waren wieder zu Lehm geworden. Die Flutebene war flach wie das Dach eines Hauses. Ich öffnete eine Luke, und das Sonnenlicht fiel auf meine Wangen. Ich setzte mich hin, kniete nieder und weinte“. 

 

Die Vögel und das Ende der Suche 

Das Schiff lief am Berg Nimush auf Grund. Um zu prüfen, ob das Land trocken sei, ließ Uta-napishti Vögel frei: 

„Als der siebte Tag kam, ließ ich eine Taube frei; sie flog weg, kehrte aber zurück, da sie keinen Ort zum Rasten fand. Ich ließ eine Schwalbe frei; sie flog weg, kehrte aber zurück. Ich ließ einen Raben frei; der Rabe sah, dass das Wasser zurückwich, er fand Nahrung, kreiste umher und kehrte nicht zu mir zurück“. 

Das göttliche Urteil 

Schließlich versammelten sich die Götter um das Opfer, das Uta-napishti darbrachte. Der Gott Ea tadelte Enlil für die unüberlegte Flut und schlug vor, die Menschen stattdessen durch wilde Tiere oder Hunger zu dezimieren. Enlil besänftigte sich schließlich: 

Enlil kam an Bord des Schiffes, er nahm meine Hand und führte mich an Bord. Er ließ meine Frau an meiner Seite niederknien, berührte unsere Stirn und segnete uns: ‚Früher war Uta-napishti ein sterblicher Mensch, aber von nun an sollen er und seine Frau wie wir Götter sein‘“. 

Diese Erzählung bildet den Kern von Tafel XI und zeigt Gilgamesch, dass die Unsterblichkeit ein einmaliges göttliches Gnadengeschenk war, das er selbst nicht erlangen kann. Was für den späteren Verlauf bei der Suche nach der Pflanze der Unsterblichkeit wichtig wird.